advo24 - Rechtsberatung online. Die virtuelle Anwaltskanzlei.

Ein Service von e|s|b Rechtsanwälte Dresden

BGH: Keine Verletzung der Beratungspflicht wegen fehlendem Hinweis auf Reiseversicherung

Der Bundesgerichtshof hatte in seinem Urteil vom 25. Juli 2006 über die Frage der Haftung eines Reisebüros gegenüber einem Kunden für dessen möglicherweise fehlerhafte Beratung zu entscheiden.

Ein Reisebüro hatte einen Kunden  nur auf eine Reiserücktrittskostenversicherung jedoch nicht auf eine Reiseabbruchversicherung hingewiesen. Da der Kunde die Reise bereits auf dem Hinflug wegen Erkrankung abbrechen musste, lehnte der Versicherer jegliche Leistung ab. Mangels  Abbruchversicherung entstand dem Kunden in Gestalt der Kosten für bezahlte, aber nicht in Anspruch genommene Reiseleistungen ein Schaden von rund 4.000 €, den er nunmehr von dem beklagten Reisebüro ersetzt verlangte.

Die Vorinstanzen haben die Klage mit der Begründung abgewiesen, das Reisebüro brauche nicht ohne Nachfrage auf die Möglichkeit einer Abbruchversicherung hinzuweisen.
Das oberste deutsche Zivilgericht ist dieser Ansicht gefolgt.


Der erkennende Senat stellte dabei klar, dass hier das Reisebüro mit dem Reisekunden einen eigenständigen Reisevermittlungsvertrag mit Haftungsfolgen abgeschlossen hatte. Ein solcher beinhaltet jedoch typischerweise keine Versicherungsberatung. Anders läge der Fall, wenn das Reisebüro ähnlich wie ein Reiseveranstalter auftrete.

Selbst wenn nach Vorstehendem eine Pflicht des Reisebüros zur Versicherungsberatung bestünde, so umfasse diese gemäß der vom Gesetzgeber in § 6 Abs. 2 lit. i BGB-InfoV  getroffenen Entscheidung nur die Hinweispflicht auf die Möglichkeit des Abschlusses einer Reiserücktrittskosten- und einer Rücktransportkostenversicherung. Auch die ergänzende Vertragsauslegung im Hinblick auf eine hohe Reisedauer begründe kein anderes Ergebnis.

Zivilrecht, Stand: 31. Juli 2006